Medien – Broschüren

Broschüren der Geschichtswerkstatt St. Georg e. V.

Im Laufe der Jahre haben wir im Rahmen unserer Projekt- und Archivarbeit Broschüren zu ganz unterschiedlichen Themen erstellt, die in unserem Stadtteilbüro kostenlos oder für ein kleines Entgelt erworben werden können. An dieser Stelle möchten wir Ihnen einige dieser Broschüren auch als Download zur Verfügung stellen.

30 Jahre Geschichtswerkstatt St. Georg

Am 6. Dezember 2020 wurde unsere Geschichtswerkstatt 30 Jahre alt.

Zu diesem Jubiläum haben wir eine kleine Broschüre erstellt. In dieser gibt es jede Menge Infos über unsere verschiedenen Aktivitäten und Mitstreiter*innen. Ferner ist eine Übersicht über unsere Jahresprojekte in diesen 30 Jahren enthalten.

an-gekommen, Spurensuche in St. Georg

Das Vorstadt Theater St. Georg präsentiert:

Szenen und Lesungen nach Wegen und Geschichten von Zuwanderern. Dargeboten an verschiedenen Stationen im Stadtteil.

Wissenwertes zu St. Georg

Der Einwohnerverein St. Georg und die Geschichtswerkstatt St. Georg haben gemeinsam eine Broschüre ergestellt. Diese wurde aktualisiert und liegt nun in der 5. Auflage mit Stand von Mai 2006 vor.

Sie können die Broschüre in unserem Stadtteilbüro für 2 Euro erwerben oder direkt hier downloaden.

Die Broschüre richtet sich vor allem an Neu-St. Georger*innen, die sich über »ihren« Stadtteil informieren möchten. Sie enthält Kurzvorstellungen der beiden Herausgeber-Vereine, statistische Daten, wichtige Stadtteiladressen, eine Literaturliste und eine kleine Stadtteilgeschichte.

Klönschnack-Broschüre

Zeitzeug*innen erzählen Lebenserinnerungen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.

Die hier dokumentierten Berichte zeigen, wie vielfältig St. Georgs Erscheinungsbild damals war, aber auch, in welcher Weise hier lebende Menschen ihre Umgebung wahrgenommen haben. Zugleich bieten sie einen Rückblick in eine Zeit, in der noch alles ganz anders war in der Langen Reihe, am Hansaplatz und an der Alster. Die Geschichten sind ein Stück Erinnerung an das alte St. Georg, an Kindheit vor mehr als 70 Jahren und an ein Viertel, das es so nicht wieder geben wird.

Die mit zahlreichen historischen Fotos illustrierte Broschüre (42 Seiten) kann für 3 Euro in unserem Stadtteilbüro (Hansaplatz 9) gekauft oder hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Bahn frei! 100 Jahre Hauptbahnhof

Aus Anlass des 100. Geburtstags des Hamburger Hauptbahnhofs konzipierte die Geschichtswerkstatt im Dezember 2006 eine Ausstellung. Zeitgleich erschien auch eine von Rainer Schliemann und Karla Fischer verfasste 38-seitige Broschüre, die nicht nur die Entstehungsgeschichte dokumentiert, sondern den Bogen schlägt bis zur Gegenwart. Denn St. Georg ist nach wie vor auch ein Bahnhofsviertel.

»Hamburg ist von alters her eine Hafen– und Handelsstadt, in der sich Landstraßen kreuzen. Das Industriezeitalter entwickelte sich mit dem Schienenverkehr und forcierte ihn. Ab der Mitte der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Hamburg verschiedene Eisenbahnprojekte vorangetrieben und realisiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden diese so weit vernetzt, dass Hamburg der Eisenbahnknotenpunkt im Norden wurde.

Die Geschichte des Hauptbahnhofes in Hamburg beginnt nicht etwa am 6. Dezember 1906, sondern ist eng verbunden mit den unzulänglichen Eisenbahnanlagen Hamburgs der Vergangenheit. »Kleinräumliches« Denken der Nachbarstaaten Dänemark und Hannover war davon geprägt, und verhinderte zunächst mit allen Mitteln Eisenbahnverbindungen nach Hamburg. Altona und Harburg waren die Endstationen vor den Toren Hamburgs. Hamburgs Bahnbau musste sich daher im Anfang auf das eigene Territorium beschränken. Am 6. Mai 1842 … begann für Hamburg das Eisenbahnzeitalter mit der Eröffnung der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn. Die Strecke wurde bereits 1846 bis Berlin verlängert und in den letzten Jahren als Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut.

Dieser Prozess des Gründens, Erweiterns und Ausbaues kennzeichnet auch die Bauwerke des Schienenverkehrs in Hamburg. Strecken wurden angelegt, erweitert, verlegt und stillgelegt. Weitere Strecken und neue Verkehrsmittel kamen hinzu. Die vielfältigen Bauwerke erfuhren hierdurch zum Teil erhebliche Veränderungen, die mit dem Verlust alter Substanz einhergingen. Auch alte Bahnhöfe und Haltestellen wurden durch neue Stationen ersetzt, in Harburg und Altona gleich zweimal. Der Bahnhof Klostertor, der Lübecker-, der Berliner – und der Hannöversche Bahnhof (auch Venloer – oder Pariser-Bahnhof genannt) existieren heute nicht mehr. Dieser durch die Industriegesellschaft geprägte Wandel führte immer wieder zu erheblichen Konflikten mit der Denkmalpflege, deren Aufgabe es auch ist, das Erbe der Industrie-Epoche in anschaulichen Prozessen zu erhalten. Die alten Bahnanlagen und Bauwerke veranschaulichen ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung, die Industrialisierung und die Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Hamburgs.« (Aus dem Vorwort)

125 Jahre Hansabrunnen auf dem Hansaplatz

Zur Gedenkveranstaltung am 10. Juli 2003 aus Anlaß des 125-jährigen Jubiläums veröffentlichte die Geschichtswerkstatt eine 24seitige Chronik. Die Printausgabe erhalten Sie zum Preis von 3 € in unserem Stadtteilbüro oder hier als PDF-Datei (2,2 MB).

Im Folgenden die zur Feierlichkeit von Christian Diesener verfasste Moritat zum Festakt:

Moritat (nach Mariechen saß weinend im Garten)

Der Platz hier hat viel schon gesehen, einst weideten Schweine hier.
\nDann kamen die Zimmerleute - weichen mussten die Tier.
\nFast zweihundertfünfzig Jahre war‘n Zimmerer hier zu Haus,
\ndoch dann kam’ feinere Leute, die Zimmerer mussten raus.

Die Bürgerschaft hatte gesprochen, erließ einen Räumungsbeschluss.
\nDann kam eine Baugesellschaft, sie zahlte nicht viel, doch sie muss
\nden Hansabrunnen erstellen, die Leute munkelten schon
\nund taten sich leise erzählen: »Das riecht sehr nach Spekulation!«

Schnell wuchsen prächtige Häuser in St. Georgs Himmel hinein.
\nDie Miete war ganz schön teuer, Leute mit Geld zogen ein.
\nZum Schluss kam endlich der Brunnen, der Platz hatte seine Zier,
\nso dass wir können versonnen bewundern ihn heute hier.

Die Hansa steht an der Spitze, ein Dreizack in ihrer Hand.
\nDarunter steh‘n Bischof und Fürsten mit Hamburg zum Teil nur verwandt.
\nDie Pracht wird ergänzt mit vier Wappen von Hansestädten und Reich,
\naus Löwenmäulern kommt Wasser, es bildet als Ring einen Teich.

Ein Fries das sollte noch kommen, zur Ehre der Handwerkerschaft.
\nDoch das war dem Bauherrn zu teuer, so blieb es bei Gründerzeitpracht.
\nUnd Hansa hoch auf dem Brunnen, kann vieles von dem erzähl‘n,
\nwas in mehr als hundert Jahren am Hansaplatz sollte gescheh‘n.

Es war Achtzehnzweiundneunzig, die Cholera zog durch die Stadt.
\nAuch in St. Georg die Krankheit grausam gewütet hat.
\nDas Comitee für den Notstand errichtete auf diesem Platz
\neine Speisehalle, so wurde mancher noch satt.

Es war dann um neunzehnhundert, der Hauptbahnhof wurde gebaut.
\nEs kamen neue Leute, St. Georg wird schon etwas laut.
\nPensionen und auch Steigen, die blühen jetzt richtig auf,
\ndas Bahnhofsviertel wächst mächtig, so nehmen die Dinge ihr‘n Lauf.

Am Hansabrunnen ist Marktplatz bis weit ins Jahrhundert hinein.
\nEs spielen hier auch viel Kinder, das Rollschuhfahr‘n schockt ungemein.
\nDoch Vorsicht wenn es mal bimmelt, die Straßenbahn fährt übern Platz,
\nvorbei an so manchen Geschäften, Milch gibt es nur lose, ist Satz.

Am Anfang der dreißiger Jahre beginnt eine schreckliche Zeit.
\nDas Hakenkreuz weht auf dem Brunnen, der große Krieg ist nicht weit.
\nEs war neunzehndreiundvierzig, die Bomben schlugen hier rein,
\ndie Hälfte der Häuser am Platze die stürzten mit Menschen drin ein.

Und als dann nach dem Kriege die Menschen brauchten Brot,
\nda kamen sie hier auf den Schwarzmarkt und tauschten ihr Letztes in Not.
\nUnd dann kaum zehn Jahre später, Elefanten spazierten hier echt
\nvom Hansatheater sie kamen, die Leute sie staunten nicht schlecht.

Der Aufbau ging erst recht langsam, die Straßenbahn fährt schon nicht mehr,
\nein Parkplatz entsteht unter‘m Brunnen, wer‘n Auto hat ist endlich wer.
\nSpäter wird’s manchmal lebendig, zu Demos komm’ Leute hierher,
\ndie Hansa sieht rote Fahnen und wunderte sich vielleicht sehr.

Das war in den siebziger Jahren, die achtziger rauschten herein.
\nGenossenschaften die bauten, Familien die zogen ein.
\nUnd dann noch die Grauen Panther, sie wohnen mit Jung und Alt
\nund bieten einen Treffpunkt, beleben den Platz damit bald.

Der Platz wurde neu gestaltet, in etwa so wie er jetzt ist.
\nDoch Trinker und Rotlicht bleiben, manch’ Anwohner denkt: `So ein Mist,
\nich würde sehr gern wohnen bleiben an diesem Platz, er ist schön,
\nich will auch keinen vertreiben, doch mir ist’s zuviel, ich wird‘ geh’n.

Und dann in den neunziger Jahren, kommt’s Drogengeschäft noch dazu.
\nDie Nächte sind kaum zu ertragen, man findet nicht seine Ruh’.
\nDie Polizei ist fast machtlos, St. Georger fordern jetzt:
\nDie Junkies brauchen ‘nen Druckraum. Das dauert dann Jahre zuletzt.

Doch in St. Georg blüh‘n Träume, man ist immer kreativ.
\nDer Bürgerverein ruft Studenten, sie planen am Platz intensiv.
\nHeraus kommen tolle Ideen, doch leider gibt’s kein Geld
\nfür eine Umgestaltung, so dass er uns besser gefällt.

Doch gibt es auch gute Zeichen, die Geschichtswerkstatt zog hier ein.
\nOhne die könnt’ ich gar nichts erzählen, ob mit oder ohne Reim
\nüber die Geschichte des Platzes, denn die ist dort archiviert,
\nwie wär’ es Frau Senatorin, wenn Sie das auch mal int’ressiert.

Geschichte ist wichtig, sagt jeder - gerade an so einem Tag.
\nWir wünschen dem Hansabrunnen, dass jeder sie kennt und ihn mag.
\nUnd dass auch diese Erkenntnis hält Einzug im hohen Senat,
\nein Geschenk wär’ das für die Hansa am heutigen Ehrentag!

Christian Diesener, St. Georg, 10. Juli 2003

St. Georger Konturen - Heft 4, 1995