Zeitsprünge

 

1609

2001

 

Zwar wurden in den 50er und 60er Jahren zahlreiche zerstörte und beschädigte Häuser wieder aufgebaut bzw. instand gesetzt, unübersehbar war aber - aufgrund der zentralen Lage - die Verplanung St. Georgs als City-Erweiterungsgebiet. Die Errichtung öffentlicher und privater Verwaltungsgebäude, vor allem im Bereich nordöstlicher Steindamm/Berliner Tor, führte nicht nur zu einem unwirtlichen Charakter des Gebietes, sondern vor allem zur Verknappung des Wohnraums und zur Vertreibung der Bevölkerung. Der historisch gewachsenen Charakter des Stadtteils, die Mischnutzung als Wohn- und Gewerbeviertel, blieb hauptsächlich im Bereich der Langen Reihe erhalten.

 

Gerade für dieses Gebiet präsentierte die Neue Heimat 1966 den spektakulären Plan eines "Alsterzentrums". Dieser sah den Abriss aller Häuser vom Hansaplatz bis zum Straßenzug An der Alster vor. Stattdessen sollte ein zusammenhängender Hochhauskomplex mit bis zu 60 Geschossen hohen Wolkenkratzern, Wohnraum für 20.000 Menschen sowie 15.000 Arbeitsplätze entstehen..

 

In der Folge wurden keine Neubaugenehmigungen mehr erteilt, die Bodenpreise stiegen und die Hausbesitzer, in Erwartung von Abrissen, verzichteten auf Instandhaltungs- oder gar Modernisierungsmaßnahmen. Von 1969 auf 1975 sank die Zahl der EinwohnerInnen von 17.000 auf 10.000. Vom "Alster-Manhatten", einst als städtebauliches Konzept der Zukunft gepriesen, wurde 1973 jedoch - glücklicherweise - endgültig Abstand genommen. Dies bedeutete auch eine Absage an das Konzept brachialer Flächensanierung.

 

Die danach eingeleitete "behutsame" Sanierung hat mancherorts die bauliche Wohnqualität erheblich verbessert. Aber sie führte eben auch zur Steigerung der Attraktivität des Viertels für besser gestellte Personen, damit auch zu steigenden Mieten. St. Georg ist schicker geworden. Für die Lebensqualität seiner BewohnerInnen und die Zukunft "ihres" Stadtteils besagt das jedoch wenig.