Zeitsprünge

 

1609

1945: Befreiung

 

Als am 3. Mai 1945 britische Verbände an den Trümmern vorbeirollten, galten sie den Überlebenden weniger als Befreier, denn als "Besatzer". Der Ausnahmezustand setzte sich im Alltag fort, die Versorgung mit Unterkünften, Nahrung, Kleidung, später Heizmaterial musste mühsam organisiert werden.

 

Am Hansaplatz und in den angrenzenden Straßen bildete sich ein Zentrum des Hamburger Schwarzmarkts. Das Angebot war vielfältig, es reichte von Margarine und Zucker über gefälschte Lebensmittelmarken bis hin zu Benzin und Penicillin. Die Militärregierung und die deutschen Behörden reagierten mit Razzien und Kriminalisierung der Händler.

 

Der Wohnraummangel wurde verschärft durch die Flüchtlinge und Heimkehrer, die in den verbliebenen Wohnungen untergebracht werden mussten bzw. in öffentlichen Gebäuden Notunterkünfte fanden (Biberhaus, Luftschutzräume unter dem Hachmannplatz, ehemalige Jahn-Halle auf dem heutigen ZOB-Gelände). Da es an Baumaterial fehlte, ließen sich keine Neubauten verwirklichen.

 

Fünf Jahre nach Kriegsende galt St. Georg als trümmerfrei. Im Stadtteil lebten lediglich noch 21.000 Menschen. Erstmals arbeiteten mehr Menschen (22.400) in St. Georg als dort lebten. Nach und nach wurden die Baulücken geschlossen. Die letzten Überbleibsel aus der unmittelbaren Nachkriegsbebauung sind vereinzelte eingeschossige Flachbauten (z. B. am Steindamm), die damals auf Trümmergrundstücken schnell errichtet wurden. Gänzlich neu entstanden unter anderem der ZOB am Carl-Legien-Platz, das Polizeipräsidium und die Neue Lombards- bzw. Kennedybrücke.