Zeitsprünge

 

1609

1930: dominierender Einfluss des Kleinbürgertums

 

Die Weltwirtschaftskrise 1929 führte in Deutschland zu einer tiefen politischen und moralischen Krise. Bis 1932 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf sechs Millionen an, Tausende von Betrieben und Werkstätten gingen in Konkurs. Vor dem Hintergrund dieser zugespitzten ökonomischen Lage und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Konflikten konnte die NSDAP innerhalb weniger Jahre mit einer beispiellosen Brutalität und Demagogie die Machtübernahme erreichen.

 

Betrachtet man damalige Wahlergebnisse so zeigt sich, dass der dominierende Einfluss des Kleinbürgertums in St. Georg-Nord 1928 für einen gegenüber Hamburg und vor allem im Verhältnis zum proletarischen St. Georg-Süd (Hammerbrook) überdurchschnittlichen Einfluss der rechtsgerichteten Parteien sorgte.

 

Die Arbeiterparteien SPD und KPD demgegenüber, lagen in St. Georg-Nord schon 1928 deutlich unter dem Hamburger und vor allem unter dem Hammerbrooker Schnitt. Der Anteil von Wählerstimmen für die NSDAP stieg von 3,5% im Jahre 1928 auf 23,5% im Jahre 1930 an, und lag so um 6,1% über dem Hamburger und 17,9% über dem Hammerbrooker Durchschnitt.

 

Überfälle von Nazis auf Arbeiterkneipen und heraushängende Hakenkreuzfahnen gerade im Wahljahr 1932 unterstreichen, dass die NSDAP in St. Georg schon vor der Machtergreifung einen starken Rückhalt hatte. So heißt es im sozialdemokratischen "Hamburger Echo" vom 13.Juli 1932: "St. Georg, Hohenfelde und Eilbek haben sich in den letzten Wahlkämpfen unrühmlich ausgezeichnet: Sie entlarven sich an ihren Flaggen und Wahlergebnissen als besondere Stützepunkte der nationalsozialistischen 'Arbeiter'-Partei. St. Georg schrie 'Heil Hitler'...".

 

Und ein St. Georger Nazi schrieb 1935 rückblickend: "Das Recht der Straße hat sich die SA in jeder Weise erkämpft, und die Roten wissen, dass in St. Georg für sie ein ungleich gefährlicheres Pflaster ist, als es etwa die Neustadt war oder gar Hammerbrook, wo sich kein SA-Mann allein sehen lassen kann, ohne angefallen zu werden. In St. Georg ist das nicht mehr möglich. Die SA ist stark und wach" (Bernd Ehrenreich: Marine-SA, Hamburg 1935, S.105).