125 Jahre Hansabrunnen in St. Georg
Moritat (nach Mariechen saß weinend im Garten)

Der Platz hier hat viel schon gesehen, einst weideten Schweine hier.
Dann kamen die Zimmerleute - weichen mussten die Tier´.
Fast zweihundertfünfzig Jahre war´n Zimmerer hier zu Haus,
doch dann kam´ feinere Leute, die Zimmerer mussten raus.

Die Bürgerschaft hatte gesprochen, erließ einen Räumungsbeschluss.
Dann kam eine Baugesellschaft, sie zahlte nicht viel, doch sie muss
den Hansabrunnen erstellen, die Leute munkelten schon
und taten sich leise erzählen: „Das riecht sehr nach Spekulation !“

Schnell wuchsen prächtige Häuser in St.Georgs Himmel hinein.
Die Miete war ganz schön teuer, Leute mit Geld zogen ein.
Zum Schluss kam endlich der Brunnen, der Platz hatte seine Zier,
so dass wir können versonnen bewundern ihn heute hier.

Die Hansa steht an der Spitze, ein Dreizack in ihrer Hand.
Darunter steh´n Bischof und Fürsten mit Hamburg zum Teil nur verwandt.
Die Pracht wird ergänzt mit vier Wappen von Hansestädten und Reich,
aus Löwenmäulern kommt Wasser, es bildet als Ring einen Teich.

Ein Fries das sollte noch kommen, zur Ehre der Handwerkerschaft.
Doch das war dem Bauherrn zu teuer, so blieb es bei Gründerzeitpracht.
Und Hansa hoch auf dem Brunnen, kann vieles von dem erzähl´n,
was in mehr als hundert Jahren am Hansaplatz sollte gescheh´n.

Es war Achtzehnzweiundneunzig, die Cholera zog durch die Stadt.
Auch in St.Georg die Krankheit grausam gewütet hat.
Das Comitee für den Notstand errichtete auf diesem Platz
eine Speisehalle, so wurde mancher noch satt.

Es war dann um neunzehnhundert, der Hauptbahnhof wurde gebaut.
Es kamen neue Leute, St.Georg wird schon etwas laut.
Pensionen und auch Steigen, die blühen jetzt richtig auf,
das Bahnhofsviertel wächst mächtig, so nehmen die Dinge ihr´n Lauf.

Am Hansabrunnen ist Marktplatz bis weit ins Jahrhundert hinein.
Es spielen hier auch viel Kinder, das Rollschuhfahr´n schockt ungemein.
Doch Vorsicht wenn es mal bimmelt, die Straßenbahn fährt übern Platz,
vorbei an so manchen Geschäften, Milch gibt es nur lose, ist Satz.

Am Anfang der dreißiger Jahre beginnt eine schreckliche Zeit.
Das Hakenkreuz weht auf dem Brunnen, der große Krieg ist nicht weit.
Es war neunzehndreiundvierzig, die Bomben schlugen hier rein,
die Hälfte der Häuser am Platze die stürzten mit Menschen drin ein.

Und als dann nach dem Kriege die Menschen brauchten Brot,
da kamen sie hier auf den Schwarzmarkt und tauschten ihr Letztes in Not.
Und dann kaum zehn Jahre später, Elefanten spazierten hier echt
vom Hansatheater sie kamen, die Leute sie staunten nicht schlecht.

Der Aufbau ging erst recht langsam, die Straßenbahn fährt schon nicht mehr,
ein Parkplatz entsteht unter´m Brunnen, wer´n Auto hat ist endlich wer.
Später wird´s manchmal lebendig, zu Demos komm´ Leute hierher,
die Hansa sieht rote Fahnen und wunderte sich vielleicht sehr.

Das war in den siebziger Jahren, die achtziger rauschten herein.
Genossenschaften die bauten, Familien die zogen ein.
Und dann noch die Grauen Panther, sie wohnen mit Jung und Alt
und bieten einen Treffpunkt, beleben den Platz damit bald.

Der Platz wurde neu gestaltet, in etwa so wie er jetzt ist.
Doch Trinker und Rotlicht bleiben, manch´ Anwohner denkt: `So ein Mist,
ich würde sehr gern wohnen bleiben an diesem Platz, er ist schön,
ich will auch keinen vertreiben, doch mir ist´s zuviel, ich werd´ geh´n.`

Und dann in den neunziger Jahren, kommt´s Drogengeschäft noch dazu.
Die Nächte sind kaum zu ertragen, man findet nicht seine Ruh´.
Die Polizei ist fast machtlos, St.Georger fordern jetzt:
Die Junkies brauchen ´nen Druckraum. Das dauert dann Jahre zuletzt.

Doch in St.Georg blüh´n Träume, man ist immer kreativ.
Der Bürgerverein ruft Studenten, sie planen am Platz intensiv.
Heraus kommen tolle Ideen, doch leider gibt´s kein Geld
für eine Umgestaltung, so dass er uns besser gefällt.

Doch gibt es auch gute Zeichen, die Geschichtswerkstatt zog hier ein.
Ohne die könnt´ ich gar nichts erzählen, ob mit oder ohne Reim
über die Geschichte des Platzes, denn die ist dort archiviert,
wie wär´ es Frau Senatorin, wenn Sie das auch mal int´ressiert.

Geschichte ist wichtig, sagt jeder - gerade an so einem Tag.
Wir wünschen dem Hansabrunnen, dass jeder sie kennt und ihn mag.
Und dass auch diese Erkenntnis hält Einzug im hohen Senat,
ein Geschenk wär´ das für die Hansa am heutigen Ehrentag !

 

Christian Diesener, St. Georg, 10. Juli 2003