Wie der Drachen lachen lernte
Die Entstehung der St. Georger Stadtteilzeitung

Wie alles anfing, damals im Frühjahr 1987? Lang ist‘s her... Wie gut, daß ich meine alten Taschenkalender aufbewahrt habe.
Gezeugt wurde der „Lachende Drache“ am 15. Februar 1987 um 18 Uhr, und zwar mit meiner Mit-Jungsozialistin und Nachbarin Johanna Lehmann-Grube (heute Johanna Westphalen) in meiner Parterrewohnung in der Langen Reihe 84.

Nach vielen Diskussionen über die Notwendigkeit, dem Bürgerverein von anno dunnemals eine moderne Alternative entgegenzusetzen, trafen wir uns, um die Gründung eines „EV e.V.“ vorzubereiten, wie es in meinem Kalender heißt. Das Kürzel stand für „Einwohnerverein“.
Bei dem Abendtermin mit Johanna - damals Jurastudentin, heute Juristin und Mutter von zwei Kindern - entstand ein von uns beiden unterzeichnetes „Diskussionspapier“, mit dem wir für den 15. März, 19 Uhr, zu einem Gründungsgespräch einluden. Schon in diesem allerersten Papier heißt es: „Der Verein könnte einen monatlich erscheinenden Veranstaltungskalender und eine kleine Stadtteilzeitung herausgeben.“

Viele fingen Feuer. Unserer Einladung in den Kulturladen folgten 19 St. Georgerinnen und St. Georger, von denen sich ein halbes Dutzend zum „Arbeitskreis Werbung“ zusammentaten. Am Sonntag, 22. März, einigte sich der Arbeitskreis in der Wohnung des Architekten-Ehepaares Uta und Heinz Volkenborn an der Langen Reihe auf ein Vereinssymbol: einen lachenden Drachen.
Die Reinzeichnung fertigte Eva Fenske. Das Tier tauchte erstmals auf einem vierseitigen Gründungsaufruf auf. Die Schlagzeile gestaltete mein damals 13jähriger Sohn Jan auf seinem ersten Amiga-Computer: „St. Georger! Laßt den Drachen endlich lachen!“
Die Hamburger Morgenpost berichtete am 22. April über die unmittelbar bevorstehende Vereinsgründung: „Als Symbol... soll nicht der böse Drache dienen, der von St. Georg getötet wurde, sondern ein lächelnder, quicklebendiger Drache.“
Nachdem Johanna am 26. April von der Gründungsversammlung zur 1.Vorsitzenden gewählt worden war, traf mich (als ihren Stellvertreter und als Besitzer einer elektronischen Schreibmaschine) die Aufgabe, einen ersten „Mitglieder-Rundbrief“ zu verfassen.
Das Blatt hieß bereits „Der lachende Drache“ und kündigte auf Seite 1 groß an, der neue Verein werde „noch in diesem Sommer eine Stadtteil-Zeitung eigens für St. Georg herausgeben“. Einen entsprechenden Beschluß faßte die nächste Mitgliederversammlung.
Wenige Tage später war die achtseitige „Nummer 0“ des ersten regulären „Lachenden Drachen“ samt Veranstaltungskalender „GEORG“ fertig. Die Nullnummer sollte vor allem der Mitglieder- und Anzeigenwerbung dienen. Beigefügt war ein Brief, in dem Johanna die Geschäftswelt auf die Möglichkeit hinwies, im neuen Stadtteilblatt zu inserieren.

Die Nummer 1/87, die Anfang September verteilt wurde, trug bereits den bekannten Titel-Kopf (den übrigens, für eine Flasche Sekt, Thomas Bonnie entworfen hat, ein Arbeitskollege, der für die Titelbilder des SPIEGEL verantwortlich ist). Mit Rotwein, Nagelschere, Rubbelbuchstaben und Fixogum-Kleber hat die Gründungsredaktion - das erste Impressum nennt Michael Eckhoff, Katja Francke-Puebla, Eva Fenske, Peter Johnen, Johanna Lehmenn-Grube, Sven Mohr -bei mir zuhause den Klebe-Umbruch für etliche „Drachen“ produziert, bis ich mich leider aus beruflichen Gründen von der Arbeit an der Stadtteilzeitung mehr und mehr zurückziehen mußte.
Daß der Drache nun schon zum 200. Male lacht und inzwischen zum unersetzlichen Informationsorgan für St. Georg geworden ist - dafür bin ich allen dankbar, die das nette Viech nach der Geburtsphase aufgepäppelt und mit unermüdlichem Eifer am Leben erhalten haben.

(Jochen Bölsche, April 2006 in der Jubelausgabe des 200. Drachen)